Eine Lanze für das Handwerk gebrochen

 

In der Mittelschule Absberg-Haundorf hat ein Zimmermeister aus Hessen die Sechst- bis Neuntklässler mit einem Theaterstück übers Handwerken begeistert und sie dazu aufgerufen, ihren Träumen zu folgen.

 

In der Turnhalle der Gräfensteinberger Schule herrscht reges Treiben: Mehrere Schulklassen der dortigen Schule und zwei achte Klassen der Stephani-Mittelschule in Gunzenhausen tummeln sich dort und suchen sich einen Platz auf den Bänken. Kaum ist Ruhe eingekehrt, sehen sie gespannt nach vorne, wo allerlei Holzbalken herumliegen und Werkzeug aufgebaut ist. Mittendrin steht der Zimmermeister Richard Betz, der den Schülern gleich mal ankündigt, er werde hier keinen „trockenen Vortrag“ halten, denn darum ginge es im Handwerk nicht. 

 

Stattdessen schlüpft er für eine Stunde in die Rolle des Zimmerers Paul Ballmer, baut vor den Augen der neugierigen Schüler die Brücke von Leonardo da Vinci aus Holz und erzählt in seinem Theaterstück „Mit Herz und Hand“, das vom Verband der bayerischen Zimmerer finanziert ist, die Geschichte eines Mannes, der erst vom Leben lernen musste. Versagensängste, Krisen und Tiefpunkte begleiten seinen Weg. Der Zimmermann beschönigt nichts und erzählt keine glorreichen Märchen, um den Schülern den Handwerkerberuf schmackhaft zu machen; doch seine Geschichte reißt die jungen Zuhörer mit und ist so spannend, dass sie regelrecht an seinen Lippen hängen. Die Moral der Geschichte: Es reicht nicht, etwas nur fürs Geld zu tun. „Was immer man macht, man sollte es gut und gerne tun“, rät Richard Betz alias Paul Ballmer und fängt an, von den Vorzügen einer Handwerkerarbeit zu schwärmen. 

 

Da jeder Auftrag anders ist, sind die Arbeitstage nie langweilig. Insgesamt gibt es über 130 verschiedene Handwerkerberufe, in denen mit Holz, Elektrik und Motoren hantiert wird. Natürlich ist man als Lehrling noch unsicher und fühlt sich mit den Aufgaben oft überfordert, aber das Selbstbewusstsein wächst „wie Gras im Garten“ und wenn man zum ersten Mal etwas selbst gebaut hat, erfüllt einen das mit unglaublichem Stolz, so der Zimmermann. 

Er kämpft verbissen gegen die oft gebrauchte Floskel „Wer nicht studiert, hat verloren“ an. Gute Handwerker brauche die Welt ebenso wie gute Akademiker. Ideenfinder seien genauso wichtig wie die Menschen, die sie umsetzen. „Findet euren Traumberuf und seid dabei nicht bescheiden“, rät Betz den Schülern. „Manchmal muss man den Mut haben, seinen Träumen zu folgen, denn oft sind es die eigenen Ängste, die einen davon abhalten.“ Im Leben steht jeder mal an dem Punkt, an dem es herauszufinden gilt, was man wirklich will. „Da ist das einzige, was man tun kann ausprobieren“, ermutigt der Zimmermeister die jungen Menschen. „Nur so findet man heraus, was einem wirklich liegt.“