„Es gibt Schatten, über die springt man nicht.“
Es ist Montag, 8 Uhr. Die noch verschlafenen 7., 8. und 9. Klassen versammeln sich im Mehrzweckraum. Sie wissen, dass sie ein Vortrag über Drogen erwartet. Der Referent lässt auf sich warten, doch als er den Raum betritt, wird es schnell leise. Mit seinen ersten Worten hat er bereits die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler. Vor ihnen steht keine Arzt, der chemische Reaktionen im Körper und Langzeitfolgen von Konsum wissenschaftlich erklärt. Es steht dort auch kein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, der Flyer verteilt und mit abschreckenden Szenarien die Jugendlichen sensibilisieren möchte. Vor den Klassen steht Herr Moskal - Philip, wie er betont. Fast 40. „Ich bin kein Lehrer und ich fühle mich alt, wenn ihr mich siezt!“. Er war selbst die meiste Zeit seines Lebens abhängig.
Philip schildert, wie er mit 13/14 Jahren Tricks am Skaterplatz geübt hat, richtig fit war. Doch dann wurde ihm ein Joint angeboten. Ab da ging es bergab. Täglicher Drogenkonsum, die Schule völlig vergeigt. „Meine Lehrer haben mir gegen Ende nicht einmal mehr Arbeitsblätter und Proben ausgeteilt, ich habe eh nichts ausgefüllt.“ Für ihn war der Joint eine klassische Einstiegsdroge, über die er zu härten Substanzen gelangte. Sogar Heroin konsumierte er. Er kritisiert die Legalisierung. Philip versuchte mehrfach, Therapien zu machen, den Schulabschluss nachzuholen. Alles misslang, weil ihn die Drogen fest im Griff hatten. Sein Sohn wohnt bei den Großeltern. Einen Führerschein habe er nie gemacht. Das hätte sich nicht gelohnt. "Ich hätte ihn eh sofort wieder verloren. Die Polizei kennt ja ihre 'Pappenheimer'", meinte Philip.
Seit 2019 ist Philip clean. Er nimmt keine Drogen mehr, dazu gehört auch Alkohol. Aktuell versucht er, mit dem Rauchen aufzuhören. Der Weg war steinig und hart, sein Leben war mehrfach in Gefahr. Irgendwann konnte sein Körper die Zerstörung durch den täglichen Konsum nicht mehr aushalten und er erlitt drei Schlaganfälle. Außerdem ein Schädel-Hirn-Trauma. Im Krankenhaus fasste er den Entschluss, clean zu werden. „Mein Glaube an Gott hat mich gerettet“, sagt er. Er machte eine Therapie, lies sich unter Betreuung stellen und lebt seitdem ohne Drogen, aber halbseitig in der Bewegung stark eingeschränkt.
Die Jugendlichen sind fasziniert und schockiert, stellen viele Fragen. Philip erklärt, dass er seine Familie und Freunde um viel Geld betrogen hat, regelmäßig in Schlägereien verwickelt war und insgesamt 7 Jahre im Gefängnis verbracht hat. Er war zeitweise auch obdachlos. Die Folgen seiner Suchterkrankung sind nicht nur seine 80-prozentige Behinderung und die damit verbundenen körperlichen Einschränkungen, sondern auch die Tatsache, dass er keine Entscheidung alleine treffen darf, weil er noch unter Betreuung steht. Ein altes Bild aus Philips Zwanzigern mit Sixpack beeindruckt die Schülerinnen und Schüler und seine mahnende Worte hallen nach: „Es gibt Schatten, über die springt man nicht. Wenn dir jemand Drogen anbietet, ist er kein Freund. Und du sagst nein!“ Er ist dabei ehrlich, verletzlich und sehr authentisch. Auch die Erwachsenen im Raum hängen Philip an den Lippen.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Philip Moskal und wünschen ihm für seinen weiteren Weg alles erdenklich Gute!
Herzlich
Willkommen in der
Grund- und Mittelschule
Absberg-Haundorf